NABU: Stieglitz, Vogel des Jahres 2016.


Stieglitz - Foto: Frank Derer


Stieglitz - Foto: Frank Derer


Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und sein bayerischer Partner, der Landesbund für Vogelschutz (LBV), haben den Stieglitz (Carduelis carduelis) zum „Vogel des Jahres 2016“ gewählt. Mit ihm soll der fortschreitende Strukturverlust in unserer Kulturlandschaft ins Blickfeld gerückt werden. Er ist Botschafter für mehr Artenvielfalt und Farbe in Agrarräumen und Siedlungsbereichen. Auf den Habicht, Vogel des Jahres 2015, folgt damit ein Singvogel, der zu den farbenfrohesten Vögeln Deutschlands zählt. Der auch Distelfink genannte Stieglitz steht für vielfältige und farbenfrohe Landschaften, denn er ernährt sich vornehmlich von den Samen zahlreicher verschiedener Blütenpflanzen, Gräser und Bäume. Bunte Landschaften mit ausreichend Nahrung gibt es jedoch immer weniger, daher ist der Bestand des Stieglitzes in Deutschland in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen.
„Allein in der Agrarlandschaft sind seit 1994 fast 90 Prozent aller Brachflächen mit ihrer heimischen Artenvielfalt verloren gegangen. Auch Randstreifen mit Blumen und Wildkräutern an Feldern und Wegen werden immer weniger und artenärmer. Im Siedlungsraum verschwinden wildblumenreiche Brachflächen, öffentliches und privates Grün wird zu intensiv gepflegt, Wildkrautvielfalt gar weggespritzt. Für unseren Jahresvogel wird es in Deutschland inzwischen eng“, sagte NABU-Vizepräsident Helmut Opitz. Es gebe viele Möglichkeiten, den Lebensraum des farbenfrohen Finken zu erhalten. Schon kleine unbelassene Ecken in Gärten, an Sport- und Spielplätzen, Schulen, Ackerflächen oder Straßenrändern, trügen dazu bei. „Überregional kann nur eine Reform der bestehenden EU-Agrarverordnungen und -Förderinstrumente den Verlust landwirtschaftlicher Brachflächen stoppen. Aber auch in Städten und Gemeinden werden Konzepte benötigt, damit es mehr Wildnis am Straßenrand und auf grünen Flächen gibt“, sagte der LBV-Vorsitzende Norbert Schäffer. Auch private Gärtner können sich für den Erhalt von Lebensräumen des Stieglitzes einsetzen. Das Anlegen von Blühflächen mit heimischen Wildkräutern sowie Obstbäumen und der Verzicht auf Pestizide helfen dem zierlichen Finken.
Der Bestand des Stieglitzes hat in Deutschland laut den Daten des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten von 1990 bis 2013 um 48 Prozent abgenommen. Offizielle Schätzungen gehen derzeit von 305.000 bis 520.000 Brutpaaren in Deutschland aus. Stieglitze leben sowohl auf dem Land als auch in Siedlungen, solange es einen geeigneten Brutplatz und genug Nahrung gibt. Diese findet er an Acker- und Wegrainen, auf Brachen oder in Parks und Gärten. Knapp 60 Prozent des bundesweiten Bestandes leben im Siedlungsraum, die restlichen 40 Prozent in der Agrarlandschaft.
Gleichzeitig mit der Verkündung des „Vogel des Jahres“ starten der NABU und der LBV die Aktion „Bunte Meter für Deutschland“. Möglichst viele Meter wildkrautreicher Grünflächen sollen als neue Lebensräume für den Stieglitz und andere Singvögel geschaffen oder erhalten werden.

Der NABU- Langenargen sorgt schon seit vielen Jahren mit Anpflanzung und Pflege einheimischer Hecken, die in der nahrungsarmen Zeit Früchte tragen für die Vogelwelt, damit auch für den Stieglitz.

In den Mager- und Streuwiesen an der Argen, die der NABU betreut bleiben beim Mähen gezielt Pflanzeninseln stehen, die den samenfressenden Vögeln wie dem Stieglitz als Nahrungsangebot dienen und auch bodenlebenden Kleintieren Überlebensmöglichkeiten bieten.

Leider verschwinden auch in Langenargen immer mehr naturnahe Gärten als Lebensraum für Vögel und andere Wildtiere. Besonders wichtig ist deshalb, auch innerhalb des Ortes Blühstreifen zu schaffen und in den Gärten auch mal samentragende Stauden erst im Frühjahr zu entfernen.


Steckbrief zum Stieglitz

Seinen Namen erhielt er nach dem typischen Ruf „Stiglitt“. Er ist mit 12 bis 13 cm Körperlänge und 14 bis 19 g Gewicht etwas kleiner und schlanker als der Spatz. Sein Gefieder ist aufällig bunt: schwarze Flügel mit gelber Binde, rote Gesichtsmaske, weißer Bauch, erdbrauner Rücken.

Der Stieglitz ist wie alle Finken ein typischer Körnerfresser und hat nur gelegentlich Kleininsekten wie Blattläuse auf dem Speiseplan. Er brütet bei uns von Mai bis August, oft mit 2 Bruten. Der Stieglitz gehört zu den Teilziehern, d.h. ein Teil der Population wandert im Winter südwärts, während ein anderer Teil im Brutgebiet bleibt.


Text: NABU- Bundesverband, Edwin Strobel / Gert Dreyer (NABU-Langenargen).

Naturschutzbund Deutschland (NABU) e.V.

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