Efeu an Bäumen - ökologisch wertvoll

Im Bodenseeraum kann man zunehmenden Efeu-Bewuchs an alten Bäumen beobachten. Er gedeiht in feuchten, humosen und nährstoffreichen Böden, d.h. vor allem in den Auen von Argen und Schussen. Durch die höhere Durchschnittstemperatur und den erhöhten Kohlendioxid-Gehalt wird er gefördert. Allerdings leidet er auch unter Trockenheit; die Blätter fallen dann vorzeitig ab. Außerdem sind die jungen Trieb spätfrostgefährdet.

Es bestehen zahlreiche Vorurteile gegen Efeu an Bäumen. Viele meinen, er schädige durch:
1. Einwachsen oder Einschnüren des Stammes
2. Wasser- und Nährstoffkonkurrenz
3. Lichtkonkurrenz
4. Störung der Statik durch Auflast
5. Schmarotzen des Baumes

Diese Vorstellungen sind allesamt falsch und lassen sich weder wissenschaftlich noch durch Erfahrung bestätigen.
1. Wer genau hinschaut, kann bemerken, dass kein Einwachsen oder Einschnüren zu beobachten ist.


2. Bei alten Bäumen, die v.a. von Efeu bewachsen werden, besteht auch keine Nährstoffkonkurrenz, da dessen Gesamtwurzellänge bis 50.000 m reichen kann.


3. Auch gibt es kein Konkurrenz um das Licht, da Efeu nur im Bereich der Schattenkrone wächst. Die Schattenkrone beträgt 2/3 des Baumes, bringt aber nur 1/3 der Photosyntheseleistung. Außerdem nimmt das Längenwachstum des Efeus im Alter nimmt ab, daher kann er den Baum nicht einholen.


4. Es gibt keine Probleme mit der Statik, denn auf Druck oder Zug bildet der Baum entsprechendes Druck- oder Zugholz. Da der Efeu langsam wächst, besteht keine Gefahr des Einbrechens.


5. Der Efeu ist kein Schmarotzer, da er nur Haftwurzeln ausbildet.  Bei älteren Trieben mit Blüten fehlen auch diese.

Einzig problematisch ist der Efeu-Bewuchs für die Baumkontrolle bei alten Bäumen um Astbruch u.ä. zu vermeiden. Bei starken Bewuchs muss die Kontrolle von den Baumpflegern besonders sorgfältig durchgeführt werden. Falls Efeu-Bewuchs an kleinkronigen und jungen Bäumen auftritt sollte er behutsam entfernt werden, ein Durchtrennen des Stammes allein bringt nichts; im Gegenteil wird oft die Rinde durch Einschneiden der Säge geschädigt, was Eintrittspforten für Pilzerkrankungen schafft. Bei Obstbäumen, insbesondere an Birnhochstämmen sollte man den Efeubewuchs frühzeitig und sorgfältig entfernen.

Dagegen ist der ökologischer und ästhetische Wert des Efeus sehr hoch anzusetzen.
1. Er schützt den Baum vor Sonnenbrand, starker Verdunstung und sogar gegen Anfahrschäden.


2. Er ist wichtiger Lebensraum für Tiere wie Insekten, Kleinsäuger und Vögel. Amseln, Bachstelzen, Sperlinge, Zaunkönig und Eulen nisten oder verstecken sich gern im Efeu.


3. Als spätblühendes Gehölz bietet er zahlreichen Bestäubern noch ein späte Tracht. Die Efeu-Seidenbiene zieht ihre Brut nur mit Efeu-Pollen auf.


4. Efeu iste in wichtiges Vogelnährgehölz. Seine Beeren diene im Winter Gartenrotschwänzchen, Mönchgrasmücke, Amsel, Drossel u.a. Beerenfressern als Nahrung.


5. Er wurde als Heilpflanze genutzt. Im 16. Jahrhudnert hat man schmerzlindernde Salben hergestellt. Schleimlösende Saponine werden in Hustenmitteln verwendet.


6. Er ist, v.a. im Winter ein wichtiger Luftreiniger, indem er Stäube, Formaldehyd, Kohlenwasserstoffe u.ä Stoffe ausfiltert.


7. Außerdem stellt er unter ästhetischem Gesichtspunkt eine einheimische und ökologische Alternative zu anderen exotischen wintergrünen Gehölzen wie Thuja oder Scheinzypresse dar, die durch ihre giftigen ätherischen Öle (Thujone, Terpene) anderen Lebewesen weder Raum noch Nahrung bieten. Durch Abschneiden abgestorbener Efeu bietet im Winter keinen schönen Anblick.

 

Peter Weinreich (2014


Weitere Informationen
Ludwig, Thomas (2011): Efeu an Bäumen: Fluch oder Segen?. Aus: TASPO Baumzeitung 2011/04, S. 23-26

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