Modellflugplatz Altes Schuttloch

Brief an den Gemeinderat Langenargen (August 2011)

Zur Anlage eines Modellflugplatzes, eines Parkplatzes und der Errichtung eines Lagerschuppens im Flst. 1222 nahe Bierkeller-Waldeck nimmt der NABU Langenargen wie folgt Stellung. Der NABU Langenargen ist gegen die Einrichtung des Modellflugplatzes aus ökologischen, naturschutzrelevanten, verkehrstechnischen Überlegungen und Gründen des Anwohnerschutzes und macht einen Alternativvorschlag, bei dem Eigentümer, Anrainer, Landwirte, Tourismus und Natur gewinnen können.

Wir begründen wie folgt:
1. Ökologische und verkehrstechnische Aspekte
- Erhöhte Lärmbelästigung durch die Modellflugzeuge Anwohner, Anrainer und Gäste
- Höhere Verkehrsbelastung, da Nutzung Personen aus dem weiteren Umfeld zu erwarten ist. Zur Zeit besteht schon ein hohes Verkehrsaufkommen
durch Anwohner vom Bierkeller-Waldeck, Sportzentrum und die Nutzung als Schleichweg.
- Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob es sich um einen im Ort ansässigen Verein handelt oder lediglich um Interessenten von auswärts.
- Mögliche Gefährdung vor allem von Radfahrern durch Erschrecken auf Grund des Lärms insbesondere durch Modell-Hubschrauber
- Weitere Belastungen wie vermehrter Hundekot an den Straßenrändern und in den landwirtschaftlichen Flächen sind zu befürchten.
- Höchstwahrscheinlich mangelnde Eignung, da Staunässe durch frühere Nutzung als Schuttplatz.

2. Vogelschutz
- Das Flurstück liegt in einer der wenigen Offenland- und Brachflächen mit Strukturen wie Hecken, Röhricht, Naßwiesen, Ackerflächen und Wiesenstreifen im Raum Langenargen, Kressbronn und Eriskirch.
- Es handelt sich derzeit um eine Ruderalfläche, die einen stark frequentierten Rastplatz für den Herbst- und Frühjahrszug. Rastende Arten sind u.a. Braun- und Schwarzkehlchen, Brachpieper, Ortolan, Kiebitz, (beide Arten sind in Deutschland selten geworden),  Bekassine, Schafstelze, Heide- und Feldlerche, Baum-, Wiesen- und Bergpieper, Steinschmätzer, Rohrweihe, Kornweihe mit teilweise hohen Bestandzahlen. Erhebung von Luis Ramos, NABU Langenargen)
- Der Bereich ist ein wichtiges Jagdgebiet von Greifvögeln wie z.B. Mäusebussard, Turmfalke, Habicht und Sperber, Wespenbussard (Brutgebiet Tettnanger Wald), Baumfalke (Brutgebiet im nahen Tettnanger Wald).

3. Vorschlag des NABU Langenargen
- Umwidmung der Fläche als firmeninterne Ausgleichsfläche bei der Fränkel AG (ähnlich wie Ufergelände am Schwedi)
- Erhalt der Ruderalfläche mit Ansaat regionaltypischer Blumenmischungen
- Erhöhung der Artenvielfalt in botanischer und faunistischer Hinsicht
- Bienenweide im Sommer, die dem Obstbau durch späte Tracht, den Anwohnern und Gästen durch ästhetischen Anblick zu Gute kommt.
- Möglichkeit, die Biotopvernetzung weiterzuentwickeln, z.B. als ökologischen Trittstein zum Tuniswald. In dem Projekt Biotopvernetzung der Gemeinde ist die Achse Argen-Tuniswald (d.h. entlang der Verbindungsstraße Oberdorfer Straße - Tuniswald) schon vorgesehen und sie besteht auch teilweise schon (z.B. Ausgleichsfläche am Promillweg, Kirschbaumanlage Bentele, Kreuz und Birnbaumhochstämme Franz Wocher, Hecken ehemaliger „Baumanns Keller“, Kirschbaumwiese der Gemeinde, Hochstammfläche mit Hecke am Blindenrain.

Für die konkrete Gestaltung der Fläche könnten Eigentümer, Anrainer, Imker, evt. das Umweltamt des Bodenseekreises und der NABU Langenargen in Gespräch kommen und Vorschläge erarbeiten.

Wir bitten Sie als Gemeinderäte von Langenargen, den Modellflugplatz nicht zu genehmigen bzw. einen Beschluss nicht ohne weitere Beratung bzw. Information vorschnell zu beschließen, um weiteren Schaden bzw. Belastungen unseres Ortes zu vermeiden. Durch Umwidmung in eine naturnah gestaltete Ruderalfläche könnten die landwirtschaftlichen Anrainer, die Bewohner und Gäste Langenargens und nicht zuletzt die Natur gewinnen.

Leserbrief des NABU Langenargen vom 19. November 2011 in der Schwäbischen Zeitung

 

Zu den Leserbriefen von Manfred Peter und Josef Pfleghar zum abgelehnten Modellflugplatz in Langenargen
In den Leserbriefen von Manfred Peter und Josef Pfleghar zum abgelehnten Modellflugplatz in Langenargen wird behauptet, dass Naturfreunde, die Vögel quasi erfunden hätten, die es dort vorher eigentlich gar nicht gegeben hätte. Dem ist mitnichten so, denn die Vögel waren schon lange vorher da, die Leserbriefschreiber haben diese nur nicht bemerkt bzw. sich nicht dafür interessiert. Auf dem Herbstzug nach Süden und ebenso auf dem Frühlingszug passieren Zugvögel, der Uferlinie des Bodensees folgend und im Bereich des Argentals nach Norden abbiegend die Flur von Langenargen, wo sie rasten und auch Futter suchen. Durch die seit den 1950er Jahren zunehmende Intensivierung der agrarischen Nutzung verbleiben in diesem Raum immer wenige geeignete Flächen dafür. Diese Vogelzugroute existiert also weitaus länger als der Plan der Modellfluggruppe, den Platz auszubauen. Aufmerksame Naturfreunde wissen und beobachten dies schon seit vielen Jahren. Zu behaupten, dies sei nachträglich erfunden worden, ist schlicht absurd. Der ablehnende Beschluss des Gemeinderats von Langenargen stützt sich übrigens nicht allein auf dieser Tatsache, sondern sieht auch die Gefahren für die Lebensqualität der Gemeinde, die von einer sukzessiven Nutzungsverdichtung in der Nähe des Bodenseeufers ausgeht. Ein ausgebauter Modellflugplatz zieht zwangsläufig weitere Interessenten an und hat damit parkende Autos in der Flur zur Folge, deren Besitzer sich möglicherweise nicht an das Verbot von treibstoffgetriebenen Flugmodellen halten. Damit werden an diese Standort nicht nur Ökologie, sondern auch Verkehr, Landwirtschaft und Erholung beeinträchtigt. Insofern hat der Gemeinderat eine verantwortungsbewusste Entscheidung getroffen, indem sie einen Ausbau mit Lagerschuppen und Parkplätzen ablehnte. Es verwundert in diesem Zusammenhang auch, dass im Hinterland abseits vom räumlich verdichteten Bodenseeufer, z.B. in der flächenmäßig größeren Gemarkung Kressbronns, kein geeigneter Platz zu finden sein soll. Das mag seine guten Gründe haben, ebenso wie die Kündigung des bisherigen Platzes in Achberg. Dass die Langenargener die Kressbronner nicht mögen, wie Herr Peter behauptet, gehört eindeutig in die Kategorie Fasnetsscherz. Im Übrigen hat der NABU Langenargen hat grundsätzlich nichts gegen das Hobby des Modellflugzeug-Fliegens, aber diese ökologisch wertvolle Fläche darf nicht entwertet werden.
Für den NABU Langenargen: Edwin Strobel, Gert Dreyer, Karl Klingenstein und weitere NABU-Mitglieder